Braucht Badens Wirtschaft zwei Marketingorganisationen ?

 

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Wirtschaftsreferat und Verein Stadtmarketing als „Anbieter“ 

Im Zuge der jüngst abgehaltenen Generalversammlung des Vereins „Stadtmarketing“ wurde eine Studie präsentiert, die nicht nur eindrucksvolle Kennzahlen der Badener Wirtschaft, sondern auch den Badener Verein „Stadtmarketing“ im Vergleich zu ähnlichen Organisationen anderer österreichischer Städte zeigt. Während derartige Marketingvereine in vergleichbaren Städten alleine für Marketingbelange und verkaufsfördernde Maßnahmen zuständig sind, gibt es in Baden mit dem Wirtschaftsreferat einen zweiten „Anbieter“.

 

Der Badener Handel darf zufrieden sein. Im österreichischen Vergleich liegt die Kurstadt sowohl bei der Kaufkraftbindung als auch beim gesamtstädtischen Einzelhandelsumsatz sehr gut. Das ergab eine Studie, die Mitte Juni von Mag. Stefan Lettner, einem Fachmann der österreichischen Beratungsagentur CIMA, präsentiert wurde. Demnach ist entgegen vorherrschenden Meinungen der Anteil des Tourismus am Umsatz mit nur 10 Prozent eher gering. Im Vergleich dazu kann etwa Bad Ischl 28 Prozent seiner Einzelhandelsumsätze dem Tourismus zuschreiben. Im Zuge des Vortrages wurde auch die große Bedeutung von Stadtmarketingorganisationen unterstrichen. Insgesamt 69 von ihnen gibt es mittlerweile über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Der überwiegende Teil dieser Organisationen agiert als eigenständige G.m.b.H. Rund 30 Prozent sind so wie der Badener als Verein geführt. Im Schnitt beschäftigen die Stadtmarketingorganisationen 2 Mitarbeiter. Die jährlichen Budgets betragen zwischen 100.000 Euro in Fürstenfeld und 320.000 Euro in Bruck an der Mur. Der Finanzierungsanteil der Gemeinden liegt zwischen 40 und 100 Prozent. In Baden gibt es ebenfalls seit einigen Jahren eine als Verein geführte Stadtmarketingorganisation, der rund 90 Mitgliedsbetriebe angehören. Der Verein organisiert gemeinsame Werbeauftritte und verschiedene Veranstaltungen wie zuletzt die Aktion „Butler“. Ganz ähnlich agiert auch das Badener Wirtschaftsreferat, dass sich um die Belange sämtlicher Gewerbetreibenden annimmt.

Dr. Christian Prokopp, der dem Verein „Stadtmarketing“ seit dem Beginn als Obmann vorsteht, zweifelt an der Effizenz dieser Doppelgleisigkeit. „Im Prinzip sind die Leistungen von Wirtschaftsreferat und unserem Verein sehr ähnlich“, sagt Prokopp, der es für sinnvoller erachten würde, die Mittel bei einem der beiden Organisationen zu bündeln. „Um wirklich effizient arbeiten zu können, bräuchten wir mehr Mitgliedsbetriebe und höhere Beiträge“, so der Vereinsobmann, der sich auch eine zweckgebundene Widmung gewisser Steuereinnahmen, wie beispielsweise aus dem Tourismus, für die Unterstützung der Anliegen der Wirtschaft vorstellen könnte. „Die Doppelstruktur sollte abgeschafft werden“, so Dr, Prokopp abschließend.

Der Leiter des Tourismus- und Wirtschaftsreferates Klaus Lorenz sieht in den beiden Organisationen keine Doppelgleisigkeit und würde sich sogar eine Stärkung des Vereins „Stadtmarketing“ wünschen. „Der Verein ist das Sprachrohr der Unternehmer und wir sind über eine konstruktive Zusammenarbeit sehr dankbar“, so Lorenz, der überzeugt ist, dass die Gewerbetreibenden diese Art des Lobbyings dringend benötigen. „Wir sind nicht unfehlbar und nur gemeinsam können wir gute Lösungen erzielen. 90 Mitgliedsbetriebe sind für eine gut funktionierende Stadtmarketingorganisation aber sicher nicht ausreichend“, ist der Leiter des Wirtschaftsreferates überzeugt.

 

Quelle: Badener Zeitung vom 27. Juni 2007 

 

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