„Fußgängerzone in der unteren Wassergasse ist entbehrlich“

 

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 Für den Stadtmarketing-Obmann ist FUZO geschäftsschädigend

Bereits 2006 haben wir von der geplanten Umgestaltung und Attraktivierung der unteren Wassergasse speziell im Bereich des „Eisenbergerplatzes“ berichtet. Im Frühjahr des Vorjahres hätte mit den Arbeiten begonnen werden sollen. Indes wird diese Straße immer mehr zum Sorgenkind. Die Arbeiten scheitern am Veto einer Hauspartei und immer mehr Geschäfte schließen ihre Pforten. Eines der Übel sieht Stadtmarketing-Obmann Dr. Christian Prokopp in der bestehenden Fußgängerzone.

 


 

1993 wurde in der unteren Wassergasse der Probebetrieb als Fußgängerzone aufgenommen. Zwei Jahre später folgten dann auch die baulichen Umsetzungen. Zugleich mit der Fußgängerzone wollte man auch den Platz vor dem damaligen Kaufhaus Eisenberger attraktiver gestalten. Die Fläche steht zur Hälfte im Besitz privater Eigentümer, was die Verhandlungen für die Gemeinde sehr schwierig machte.

 

Endlich schien im Jahr 2006 der Durchbruch gelungen. Bereits im Frühjahr 2007 sollte mit den Arbeiten begonnen werden. Neben dem Setzen von Bäumen sollte dort auch das Thema „Wasser“ zur Geltung kommen. In welcher Form dies geschehen sollte, stand noch nicht fest. In der Wirkung sollte jedenfalls ein geschlossener Platz geschaffen werden. Als Abschluss der Arbeiten hätte sich Baustadtrat Hans Hornyik als äußeres Zeichen des „Neubeginns“ auch eine Rückbenennung der Straße in den ursprünglichen Namen „Freyung“ gewünscht.

 

Nun sind seit Bekanntwerden der Pläne fast zwei Jahre vergangen, ohne dass sich an der Situation etwas geändert hat. Ganz im Gegenteil, die Zahl der leerstehenden Geschäftsflächen hat sich erhöht. Für den Obmann des Vereins Stadtmarketing Dr. Christian Prokopp gibt es dafür eine ganze Reihe von Gründen. Einen davon sieht Prokopp in der Fußgängerzone. „Die FUZO in der unteren Wassergasse hat entschieden zu einem schlechteren Geschäftsgang und einer geringeren Frequenz beigetragen“, ist Prokopp, der auch Wr. Neustadt als Beispiel aufführt, überzeugt. Seitdem dort der Hauptplatz als Fußgängerzone geführt wird, sind ganze Einkaufsstraßen, die bis dato floriert haben, ‘abgestorben’. „Die Fußgängerzone müsste aufgehoben werden und die Straße zumindestens in einer Richtung wieder für den Verkehr freigegeben werden“, so der Stadtmarketing-Obmann, der jedoch noch weitere Gründe für die unbefriedigende Situation aufführt. „In der unteren Wassergasse gibt es zu viele kleine Geschäftsflächen. Anders als noch vor 10 Jahren sind diese heute fast nicht mehr vermietbar“, sagt Prokopp, der auch an Kritik gegenüber den Hausbesitzern nicht spart. „Wenn nicht ein paar von den Hausbesitzern über ihren Schatten springen und kleine Flächen zusammenlegen, wird es nicht funktionieren. Solange diese Strukturprobleme nicht gelöst werden, kann es auch keinen Fortschritt geben.“ Nicht zuletzt sind es laut Dr. Prokopp auch die überhöhten Mieten, die einer Geschäftsansiedelung nicht förderlich sind. „Die Gemeinde leistet sicher gerne Schützenhilfe. Die Initiative müsste aber von den Eigentümern ausgehen. Wir sind nun alle gefragt, unsere Innenstadt weiterzuentwickeln“, so Prokopp abschließend.

 

Stadtrat Heinrich Schönbeck ist sowohl als Gewerbetreibender in der Wassergasse als auch in seiner Funktion als Obmann des Wirtschafts-bundes Baden von der Problematik betroffen. „Die Fußgängerzone wurde nicht aus wirtschaftlichen- sondern aus verkehrstechnischen Überlegungen ins Leben gerufen. Das Verkehrsaufkommen war fürchterlich. Der Rückstau von der Ampelkreuzung mit der Breyerstraße hat oft bis bis unterhalb der Neustiftgasse gereicht“, erinnert sich Schönbeck. Das Parken in der unteren Wassergasse war bis zum damaligen Eisenberger auf zwei Seiten möglich. Weiter stadteinwärts dann aber nur mehr einseitig. „Durch das Ein- und Ausparken hat sich das Verkehrsproblem immer verschärft“, so Schönbeck, für den Geschäftssterben und Fußgängerzone in keinem direkten Zusammenhang stehen. Vielmehr sei der Verkauf des Supermarktes Eisenberger an eine Vorarlberger Kette schuld an der Misere. Die Vorarlberger gingen kurze Zeit später in Konkurs und somit ging auch der stärkste Frequenzbringer der Straße verloren. „Die nunmehrigen Besitzer des Platzes sind an einer Lösung nicht interessiert“, bedauert der Obmann des Wirtschaftsbundes, der aber auch Kritik an der Vermarktung übt. „Man hat eine zusammenhängende Verkaufsfläche von 12.000 Quadratmetern in kleine Geschäftsflächen aufgesplittet“, sagt Heini Schönbeck, für den die Frequenz aber auch stark von den angebotenen Produkten abhängt. „Obwohl die Fußgängerzone verkehrstechnisch sehr gut liegt, läuft hier einiges schief. Leider fehlt uns eben auch das Entgegenkommen der Eigentümer“, so Stadtrat Schönbeck abschließend.

 

Auch der zuständige Baustadtrat Hans Hornyik ist sich der Problematik bewusst. Er ist es auch, der im ständigen Kontakt mit den Eigentümern des Eisenbergerplatzes steht. „Leider besteht innerhalb der Eigentümer-gemeinschaft große Uneinigkeit und wir können sie schließlich nicht zwingen“, bedauert Hornyik, der jedoch überzeugt ist, dass es zu einem Ergebnis kommen wird. „Wenn nicht, werden wir dort alleine eine Lösung finden, nötigenfalls auch ohne Zustimmung der Eigentümer“. Die Fußgängerzone selbst sieht Hornyik nicht als das Grundproblem, wenngleich er eingesteht, dass laut internationalen Studien die Gesamtfläche der FUZO größer ist, als es eine Stadt wie Baden vekraften kann. „Es ist aber eher ein genereller Zug der Zeit, dass entlegenere Teile von Innenstädten Einbußen erleiden. Das kann man nicht unbedingt der Fußgängerzone in die Schuhe schieben. Ich bin jedoch für jede Veränderung offen, die uns ein Stück weiter bringt“, sagt Baustadtrat Hans Hornyik.

 

Quelle: Badener Zeitung vom 17. Januar 2008

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